Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiss, wie Wolken schmecken, der wird im Mondschein ungestört von Furcht, die Nacht entdecken.
Der wird zur Pflanze, wenn er will, zum Tier, zum Narr, zum Weisen, und kann in einer Stunde durchs ganze Weltall reisen.
Er weiss, dass er nichts weiss, wie alle andern auch nichts wissen, nur weiss er was die anderen und er noch lernen müssen.
Wer in sich fremde Ufer spürt, und Mut hat sich zu recken, der wird allmählich ungestört, von Furcht sich selbst entdecken.
Abwärts zu den Gipfeln seiner selbst blickt er hinauf, den Kampf mit seiner Unterwelt, nimmt er gelassen auf.
Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiss wie Wolken schmecken, der wird im Mondschein, ungestört von Furcht, die Nacht entdecken.
Der mit sich selbst in Frieden lebt, der wird genauso sterben, und ist selbst dann lebendiger, als alle seine Erben.
Carlo Karges von der Rockband Novalis
Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte; süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, wollen balde kommen. Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja Du bist ’s! Dich hab’ ich vernommen!
Eduard Mörike, (1804 - 1875)
Die Fußwaschung
Ich danke dir, du stummer Stein, und neige mich zu dir hernieder: Ich schulde dir mein Pilanzensein.
Ich danke euch, ihr Grund und Flor, und bücke mich zu euch hernieder: Ihr halft zum Tiere mir empor.
Ich danke euch. Stein, Kraut und Tier, und beuge mich zu euch hernieder: Ihr halft mir alle drei zu Mir.
Wir danken dir, du Menschenkind, und lassen fromm uns vor dir nieder: weil dadurch, dass du bist, wir sind.
Es dankt aus aller Gottheit Ein- und aller Gottheit Vielfalt wieder. In Dank verschlingt sich alles Sein.
Christian Morgenstern (1871-1914)
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